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Brauchen wir Nahrungsergänzung?

Aktualisiert: 12. Dez 2018 @ 6:44

Vitamine und Co.

Mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel, kurz NEM genannt, soll unserem Körper die Nährstoffe zugeführt werden, die durch eine normale Ernährung nicht in ausreichender Menge zugeführt werden kann. Doch brauchen wir das wirklich?

NEM's

Diese Produkte findest du mittlerweile überall, vom Discounter, über die Drogerien bis hin zur Apotheke. Das Internet ist voll von Online-Shops und Versandt-Apotheken, die sich fast ausschließlich auf solche Produkte spezialisiert haben.

Mittlerweile greift jeder 3 Deutsche auf NEM’s zurück. Die beliebtesten sind dabei die Multivitaminpräparate und Magnesium. Und der Markt ist gigantisch. Der Gesamtumsatz im Bereich NEM lag in Deutschland in 2015 bei über 1 Mrd.Euro. Am meisten wurden dabei Mineralstoffe (43 Prozent) und Vitaminpräparate (28 Prozent) gekauft.

Brauche ich NEMs, und wenn ja, welche und wieviel davon?

Alle die sich ernsthaft mit dem Thema Ernährung befassen ist eines klar, dass Nährstoffe einen großen Einfluß auf unseren Körper haben. Und unser Körper benötigt von diesen Nährstoffen eine gewisse, aber individuelle Dosis. Überdosierungen sind nicht zwangsläufig besser und Unterdosierung haben fast keine Wirkung. Doch wer legt überhaupt fest, was an Dosis für uns Gesund ist? Es ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die bisher die Obergrenzen für Dosen bei den NEM’s festlegt. Sie gibt anhand ihrer wissenschaftlichen Bewertungen ihre Empfehlungen ab. So sind ihre Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr Basis für die praktische Umsetzung einer vollwertigen Ernährung. Ob die empfohlenen Dosen überhaupt ausreichend sind, verdoppelt oder verdreifacht werden müssten bleibt einigen mutigen Ärzten vorbehalten.



Es gibt insgesamt 91 Vitalstoffe, von denen 47 lebensnotwendig, essentiell sind. Diese müssen über die Ernährung zugeführt werden, da der Körper sie nicht selbst produzieren kann. 13 Vitamine, 6 Mineralien, 14 Spurenelemente sowie 2 Fette und 12 Aminosäuren. Das heißt, sobald einer dieser Stoffe fehlt, wird’s ungemütlich. Für dich. Für deine Gesundheit.

Ausgewogene Ernährung

Die DGE und viele Ernährungspäpste empfehlen eine möglichst „ausgewogenen“ Ernährung. Vermutlich aus einem Grund: Je ausgewogener du dich ernährst, desto eher ist die Chance da, dass du zufällig und wahrscheinlich auch alle Vitalstoffe zugeführt bekommst. Die Idee, die dahinter steckt ist doch einfach banal, dass eine ausgewogene Ernährung dazu führen soll, dass wir alle Vitalstoffe irgendwie bekommen.
Was die DGE als vollwertig und ausgewogen ansieht, kannst du hier (!) nachlesen.

Doch können uns die heutigen Lebens- und Nahrungsmittel überhaupt noch in ausreichender Fülle mit Vitalstoffen versorgen? Und: Was ist ausgewogen? Was gehört nicht dazu und was mache ich, wenn ich kein Gemüse, kein Fleisch, kein irgendwas mag?

Veränderung der Nahrungsmittelqualität

Bio FleischEs ist sicherlich keine Geheimnis, dass sich einige unserer Nahrungsmittel in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert haben. Und zwar nicht zum Guten. Zum Billigen! So ist es ein riesiger Unterschied bei der Fleischqualität, ob du die Tiere aus Weidenzucht oder Stallzucht analysierst. Noch drastischer wird der Unterschied, wenn du z.B. Wildfleisch mit dem industriell produzierten Fleisch vergleichst. Wild hat einen relativ niedrigen Körperfettgehalt. Auch der Anteil der gesättigten Fettsäuren ist gering, da diese vornehmlich im Bauchbereich zu finden sind – und der ja bei den Tieren aufgrund der vielen Bewegung kaum vorhanden. Wild besitzt daher überwiegend intramuskuläres Fett und Organfett. Und das besteht wiederum vorwiegend aus einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Denn, Wild frisst in freier Wildbahn weder Getreide noch Soja oder Tiermehl. Es frisst Grünpflanzen. Und aus diesem Grund ist in dem Wildfleisch das für uns so wichtige Verhältnis der beiden Omega-Fettsäuren, namentlich Omega-3 zu Omega-6, in einem ausgewogenen, für uns idealem Verhältnis: 2,5 : 1,0. Schaust du auf die heutige Rinderhaltung, sieht du ein Verhältnis der beiden Fettsäuren von 14 : 1.

Bei Gemüse und Obst hingegen sind die Veränderung in den letzten 20 Jahren eher moderat geblieben. Es finden sich dennoch immer wieder Webseiten, die nicht nachvollziehbare Vergleichslisten zeigen, die den Nährstoffschwund beweisen sollen.

Gemüsemarkt

Um sich dem Thema jedoch ernsthaft, also wissenschaftlich, zu nähern, darf man erst einmal nicht nur die historischen Daten über die Nährstoffzusammensetzung und Mengen nebeneinander legen und vergleichen. Denn im Laufe der Jahrzehnte gab es starke Veränderungen bei der Datenaufnahme, bei den Sorten unserer Kulturpflanzen, deren geografische Herkunft, bei der Reife, der Stichprobengröße, der Methode wie Proben genommen wurden, der Labor-Analyse und der statistischen Auswertung.

Veränderung der Bodenqualität

Vergleiche mit archivierten, also aufgehobenen und eingelagerten Bodenproben aus den letzten Jahrzehnten zeigen aber, dass der Bodenmineralgehalt an Orten, wo intensiv mit verschiedenen Düngerbehandlungen angebaut werde, gar nicht zurückgegangen ist. Analysiert man moderne und alte Kulturpflanzen, die heute nebeneinander angebaut werden, so zeigen sich niedrigere Mineral-Konzentrationen in Sorten, die für höhere Erträge gezüchtet werden, wo die erhöhte Kohlenhydratmenge nicht mit einem proportionalem Anstieg der Mineralien einhergeht – der sogenannte „Verdünnungseffekt“.

Vorteile wiegen Nachteile auf

Die Vorteile von erhöhten Erträgen zur Versorgung der Menschen mit genügend Nahrungsmittel überwiegen die geringen Nährstoffverdünnungseffekte, die durch das Essen der empfohlenen täglichen Portionen von Gemüse, Obst und Vollkorn gedeckt werden können. Und zur Wahrheit gehört auch, dass einige moderne Sorten sogar höhere Konzentrationen von bestimmten Nährstoffen haben als ältere Sorten.

Natürlich gibt es auch negative Veränderungen einzelner Nährstoffgehalte beim Gemüse. Diese – gerade wenn sie extrem erscheinen – gilt es aber zu untersuchen. So der extreme Rückgang des Minerals Kupfer in der Zeit 1975 bis 1997. Hier wurde ein Rückgang in der Bandbreite von -34% bis -81% festgestellt. Festzuhalten ist aber, dass es sich absolut gesehen nur um eine minimale Mengen handelt: 100 g Trockengewicht Gemüse hat normalerweise einen Kupfermineralanteil zwischen 0,11-1,71 mg (1555% ist hier alleine schon die natürliche Variationsbreite). Geradezu lächerlich!

Wer tatsächlich einen Kupfermangel hat, kann mit Rinderleber (100 g = 2,8 mg Kupfer), Schokolade  (100 g = 1,25 mg Kupfer), Kalbsleber  (100 g = 4,5 mg Kupfer) und vielen anderen Lebensmittel (einfach mal danach Googeln) seinen täglichen Bedarf zwischen 1 bis 2 mg leicht supplementieren.

Die allermeisten Werte (des mineralischen Nährstoffgehalts) bei Gemüse, Obst und Getreide sind im „grünen“ Bereich, und das sowohl beim einzelnen Lebensmittel als auch bei einer der genannten Gruppen von Lebensmitteln.

Andere Gründe für Mineral- undVitaminmangel

Tatsächlich ist es doch so, dass es sehr viele Gründe gibt, die es uns allen schwer machen, „ausgewogen“ zu essen und dadurch unseren täglichen Bedarf an Vitamine, Mineralien, Spurenelemente sowie Fette und Aminosäuren zum decken. Fehlendes Wissen, welche Lebensmittel wirklich gesund sind und in der Summe unseren Bedarf decken können. Aber auch die begrenzte Verfügbarkeit von wirklich hochwertigen und gesunden (und damit sehr teueren) Lebensmittel führt nach und nach in den Mangelzustand. Und wer von uns hat tatsächlich so viel Zeit oder die Fähigkeit, sich ausgewogen zu ernähren und durchgängig gesunde Mahlzeiten zuzubereiten. Falsche, einseitige und nährstoffarme Ernährung tragen dazu bei. Falsche Lagerung und Zubereitung im übrigen auch!

Kochen heute

Auch wenn immer wieder von Gesundheitsexperten erklärt wird, Deutschland sei kein Vitaminmangelland, mag das für Deutschlands Lebensmittel (wenn sie frisch geerntet sind) richtig sein, für seine Bürger aber nicht unbedingt. Das Deutschlands Bürger tatsächlich einen massiven Mangel an Vitalstoffen haben, kann jeder in den Ergebnissen der „Nationalen Verzehrstudie II“ nachlesen. Und die Studie zeigt nicht nur einen Mangel an Vitamin D3, sondern auch über eine Unterversorgung mit Vitamin C, E, B1, Kalzium, Magnesium und Eisen – um nur ein paar die Gesundheit wesentlich bestimmende Vitalstoffe zu nennen – die 20 bis 60 Prozent der Bevölkerung betreffen.

Das heißt doch, das so viel Prozent der Menschen noch nicht einmal die empfohlene Minimaldosis bekommen. Und diese Minimaldosis genügt eigentlich nicht, wenn du alt bis, wenn du eine Krankheit hast, wenn du intensiv Sport betreibst oder einen stressigen Job hast. Oder wenn du zusätzlich Alkohol trinkst und rauchst.

Jeder, der Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente in der richtigen Dosis als Nahrungsergänzung zu sich nimmt weiß von deren immensen Einfluß auf seine Gesundheit.

Unser Rat:

Testen lassen und nicht raten oder vermuten! Und dann fehlende Stoffe ergänzen und Mangelzustände auffüllen.

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Quellen: Ärzte-Zeitung 3.6.15, Marktanalyse Nielsen Deutschland, http://www.humanite-biodiversite.fr/system/attachments/7529/original/nutrient_changes_in_vegetables_and_fruits_1951-1999.pdf?1421830909,http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889157516302113, https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/, https://www.strunz.com/de/news/vitamine-mal-ganz-deutlich.html, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/NVS_ErgebnisberichtTeil2.pdf?__blob=publicationFile, https://www.strunz.com/de/news/multivitamine-fuers-volk.html

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